Eine Zäsur in der Mitte des Lebens - Wie lange reicht mein Geld?

Die einen sehen schon den Ruhestand auf sich zukommen und fragen sich, ob das Geld bis zum Lebensende reichen wird. Die anderen wollen nochmals loslegen und machen sich selbständig. So unterschiedlich die Menschen diese Phase ihres Lebens angehen, eines haben alle gemeinsam: die Sorge, ob genügend Geld für den vor Ihnen liegenden Weg vorhanden ist.

Ruhestand voraus

In der Mitte des Lebens fühlen sich die meisten Menschen noch fit und fidel. Sie wollen eigentlich nicht über das Älterwerden nachdenken, allerdings erkennen sie schon die Zeichen der Zeit, wenn sie ganz genau in den Spiegel sehen. Man ist nicht mehr ganz taufrisch und betrachtet die zweite Lebenshälfte mit dem Wissen, dass in diese Zeit der Ruhestand fallen wird. Eine Lebensphase, die aus heutiger Sicht Veränderungen mit sich bringt. Veränderungen, auf die sich viele Menschen freuen, weil sie Pläne haben, die sie umsetzen wollen: z. B. die Traumreise, ein Wohnmobil, der Zweitwohnsitz am Meer oder in den Bergen. Andere wiederum planen, die Kinder und Enkel finanziell zu unterstützen, sei es beim Hausbau oder dem Auslandsstudium. All das kostet Geld, das man zu diesem Zeitpunkt haben sollte.

In der zweiten Lebenshälfte der „eigene Chef“ sein

Andere denken noch gar nicht so weit und schon gar nicht ans Aufhören. Sie wollen nochmals durchstarten und sich selbständig machen, sich nach jahrzehntelangem Angestelltendasein den Traum von der beruflichen Selbständigkeit erfüllen. Viele wünschen sich, ihr eigener Chef zu sein und von der zeitlichen Flexibilität der Selbständigkeit zu profitieren. Andere sehen darin eine neue Herausforderung, bei der sie sich selbst verwirklichen können.

Dadurch, dass das Durchschnittsalter in Deutschland bei 44,3 Jahren liegt und die größte Gruppe in der Bevölkerung zwischen 45 und 65 Jahre alt ist (2015, Statistisches Bundesamt), ist es nicht verwunderlich, dass es auch deutlich mehr reife Gründer gibt als früher. Zumal die Menschen heutzutage in der zweiten Lebenshälfte aufgrund der Lebensweise und der modernen medizinischen Versorgung in diesem Alter häufig sehr fit sind. Allerdings ist es für diese Gründer-Gruppe aufgrund ihres Alters deutlich schwieriger, an eine Anschubfinanzierung in Form eines Kredits zu gelangen. Sie sind oft darauf angewiesen, eigene Ersparnisse anzugreifen, die sie im Laufe der Zeit aufgebaut haben.

Reicht das Geld bis zum Lebensende?

Ob Ruhestandsplanung oder beruflicher Neuanfang, alle sollten sich in der zweiten Lebenshälfte Gedanken machen, ob das Geld bis zum Ende ihres Lebens reicht. Kaum jemand denkt wirklich darüber nach, wie alt er werden könnte, wenn er sich in jungen Jahren mit seiner Altersvorsorge beschäftigt. In welchem Alter man sterben könnte ist eher ein diffuses Thema, in das sicher auch reinspielt, wie alt die eigenen Eltern und Großeltern geworden sind. Daher ist anzunehmen, dass die meisten Menschen ihre eigene Lebenserwartung unterschätzen. Dieser Umstand kann bei der Planung ihrer Finanzen später zu einer gravierenden Versorgungslücke führen.

Notwendiger Kassensturz

Daher ist es spätestens in der Mitte des Lebens absolut empfehlenswert, eine Bestandsaufnahme der eigenen Vermögenswerte zu machen. Auch, wenn man sich noch immer in der Vermögensaufbauphase befindet, ist es wichtig herauszufinden, ob man für die Phase des Vermögensverzehrs ausreichend gerüstet ist. Und gerade diejenigen, die auf das eigene Vermögen zurückgreifen, um sich ihre Selbständigkeit zu finanzieren, sollten ganz genau hinschauen, ob ihre Rechnung aufgeht. Schließlich leben die Menschen nach Eintritt in den Ruhestand durchschnittlich noch 20 Jahre, in denen sie sich noch etwas gönnen wollen. Ein Kassensturz sollte alles berücksichtigen, was vorhanden ist und mögliche Einkünfte im Rentenalter bringen wird, wie z.B. Aktiendepots, Fondssparpläne, Sparguthaben, Lebensversicherungen, Betriebliche Renten, Riester und Rürup-Verträge, Mieteinnahmen. Auch wie sich die Krankenversicherungsbeiträge und spätere Lebenshaltungs- und Pflegekosten entwickeln können, sollte unbedingt in die Berechnungen einbezogen werden.

Lebensversicherung

Beim Kassensturz fällt natürlich auch die Lebensversicherung ins Auge. Statistisch besitzt fast jeder Deutsche einen Vertrag, tatsächlich manche auch mehrere. Doch dieses früher sehr beliebte Altersvorsorgeinstrument steht seit einiger Zeit stark in der Kritik. Aufgrund der anhaltend niedrigen Zinsen sinkt auch die Rendite der Lebensversicherungen. Policeninhaber sind verunsichert und frustriert, wenn sie sehen, dass die prognostizierte Ablaufleistung immer geringer ausfällt. Wie eine Allensbach-Umfrage des BVZL (Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen e. V.) bereits 2015 zeigte, lässt das Vertrauen in die Lebensversicherung nach und die Sorge, dass die vorausgesagte Rendite nicht erwirtschaftet wird, war der wichtigste Grund für die Befragten, sich möglicherweise vorzeitig von der Police zu trennen.

Mit dem „Run-Off“, dem Verkauf von Lebensversicherungsbeständen von Versicherungsgesellschaften an Investoren bzw. so genannte Abwickler, wurde im vergangenen Jahr eine weitere Welle der Verunsicherung ausgelöst. Laut einer Umfrage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) hat die Versicherungswirtschaft bei mehr als der Hälfte der Befragten Vertrauen eingebüßt. Zudem glaubt eine Mehrheit nicht daran, dass es durch den Verkauf an Abwickler zu einer Effizienzsteigerung in der Verwaltung der Policen kommen wird. Im Gegenteil, mehr als die Hälfte befürchtet, dass ihnen Nachteile entstehen werden.

Liquidität aus der Lebensversicherung nutzen – aber richtig

Entsprechend ist die Stornoquote von Lebensversicherungen nach wie vor hoch. In 2016 hat die Versicherungswirtschaft ein Volumen von 12,6 Mrd. Euro vorzeitig an Versicherte ausgezahlt. Wer meint, dass er für seine weitere Ruhestandsplanung lieber aus der Lebensversicherung aussteigen will, um das Geld in andere Anlageformen zu investieren, sollte diese allerdings nicht kündigen, sondern profitabler am Zweitmarkt für Lebensversicherungen verkaufen. Das geht heutzutage schnell und unkompliziert über den weitgehend online-basierten Ankaufprozess bei der Winninger AG. Das Unternehmen kauft nahezu alle Policen, die bis 2007 abgeschlossen wurden, ab einem Rückkaufswert von 10.000 Euro und einer Mindestrestlaufzeit von drei Jahren (bei größeren Verträgen wird der Ankauf auch bei späteren Vertragsabschluss und kürzeren Restlaufzeiten geprüft). Aber nicht nur in Hinblick auf die Ruhestandsplanung sollte man diese Alternative zum Storno nutzen. Auch Gründer, die sich mit dem Gedanken tragen, sich von einer ihrer Lebensversicherungen vorzeitig zu trennen, um ihren Liquiditätsbedarf zu decken, sollten ihren Vertrag verkaufen statt zu stornieren. Bei einem Verkauf kommen sie schneller an ihr Geld als bei der Kündigung beim Versicherer. Und ein reduzierter Todesfallschutz für die Nachkommen bleibt auch noch erhalten, eine Leistung, die sonst entfiele.

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