Die Lebensversicherung war lange Zeit des Deutschen liebstes Altersvorsorgeprodukt. Es gibt derzeit rund 91 Millionen Policen mit einer durchschnittlichen Vertragslaufzeit von 28 Jahren. Aber nur etwa die Hälfte davon wird bis zum Vertragsende fortgeführt. Im Jahr 2016 haben die Versicherer 12,6 Milliarden Euro für vorzeitig beendete Verträge ausgezahlt. Wer seine Lebensversicherung kündigen oder die Beiträge nicht mehr weiterzahlen möchte, sollte sich jedoch über Alternativen informieren, die weniger verlustreich sind.

 

Beitragszahlung aussetzen

Dazu gehören beispielsweise die vorübergehende Beitragsstundung und die endgültige Beitragsfreistellung. Im Falle der Beitragsstundung wird mit dem Versicherer ein zeitlich begrenzter Aufschub der Beitragszahlung vereinbart, am Ende dieses Zeitraums müssen die gestundeten Beiträge und in der Regel Stundungszinsen nachgezahlt werden. Für den Erhalt des vollen Versicherungsschutzes verlangen einige Versicherer außerdem zumindest die laufende Zahlung eines Risikobeitrags. Wer es sich dauerhaft nicht mehr leisten kann, die monatlichen Beiträge zu zahlen, kann eine Beitragsfreistellung beantragen. Vor allem für diejenigen, die eine ältere Lebensversicherung besitzen, ist es lohnenswert, eine etwaige Kündigung mit der Beitragsfreistellung zu vergleichen, denn der bis dahin angesparte Betrag wird hier bis zum Laufzeitende weiter verzinst. Allerdings sinkt die Versicherungssumme und damit die Absicherung im Todesfall und auch enthaltene Risikozusatzversicherungen (z.B. eine Berufsunfähigkeitsrente) erlöschen in aller Regel. Außerdem wird in vielen Fällen eine Gebühr erhoben.

 

Police beleihen

Bei vorübergehendem, akutem Finanzbedarf kann ein Policendarlehen eine gute Alternative zur Kündigung sein. Hierbei erhält der Versicherte eine zu verzinsende Vorauszahlung bis maximal zur Höhe des aktuellen Rückkaufswerts von der Versicherungsgesellschaft und nutzt damit sein eigenes, bereits angespartes Vermögen. Der Vorteil: Eine Bonitätsprüfung ist aus diesem Grund nicht notwendig. Außerdem ist ein Policendarlehen in der Regel sehr flexibel ganz oder teilweise rückzahlbar. Allerdings sind die Zinsen in der Regel monatlich zu zahlen. Ein Policendarlehen hat keine Auswirkung auf die Versicherungsleistungen: Bei Tod der versicherten Person oder doch erfolgender Kündigung des Vertrags wird das Darlehen von der fälligen Zahlung abgezogen. Auch der Verkauf eines Lebensversicherungsvertrags ist trotz Policendarlehen möglich, der Käufer wird das Darlehen ebenfalls von der Kaufpreiszahlung in Abzug bringen.

 

Außerdem bieten zahlreiche Banken die Gewährung eines Kredits gegen Abtretung eines Lebensversicherungsvertrags an. Hier wird in der Regel eine feste Laufzeit des Darlehens vereinbart und Zins- und Tilgungsmodalitäten sind individuell verhandelbar. Eine zur Besicherung eines Darlehens an eine Bank abgetretene Police lässt sich mit Zustimmung der Bank ebenfalls verkaufen. In aller Regel wird zunächst das Darlehen aus der Kaufpreiszahlung zurückgeführt und der überschießende Betrag an den Versicherungsnehmer ausgezahlt.

 

Lebensversicherung verkaufen

Die LV-Police zu verkaufen ist auf jeden Fall die bessere Alternative zur Kündigung. Schließlich liegt der Kaufpreis über dem Rückkaufswert, also dem Betrag, den die Versicherungsgesellschaft bei Storno auszahlt, und ein reduzierter Todesfallschutz bleibt erhalten. Auf dem so genannten Zweitmarkt für Lebensversicherungen, der seit 1999 besteht, können Policen an Investoren verkauft werden. In der Regel muss eine Police, die für den Käufer interessant ist, über einen Rückkaufswert von 10.000 Euro verfügen und muss noch mindestens drei Jahre laufen (bei kürzeren Restlaufzeiten wird der Kauf meist individuell geprüft). Verbraucher sollten aber darauf achten, dass sie den Kaufpreis in einer Summe ausgezahlt bekommen und nicht in Raten. Denn auch auf diesem Markt gibt es „schwarze Schafe“, die den Kunden übervorteilen. Daher ist es empfehlenswert, sich beim Verkauf nur an Mitglieder des BVZL (Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen e. V.) zu wenden. Diese verpflichten sich, den Kaufpreis in einer Summe auszuzahlen und einen um den Kaufpreis und die eingezahlten Prämien reduzierten Todesfallschutz für die Angehörigen der versicherten Person aufrecht zu erhalten.

 

Police rückabwickeln

Mit dem BGH-Urteil vom 7. Mai 2014 haben viele Lebensversicherte in Deutschland ein Anrecht darauf, ihren Altvertrag rückabzuwickeln und sich damit vom Versicherer ihre verzinsten Prämien, abzüglich der Kosten für einen Risikoschutz auszahlen zu lassen. Das klingt für viele attraktiv, ist aber nicht unbedingt für jeden der richtige Weg – schon gar nicht für diejenigen, die einfach und schnell Geld benötigen. Denn viele Versicherer verzögern die Rückabwicklung und lassen es auch auf einen Gerichtsprozess ankommen. Verbraucher sollten wissen, dass dieser Weg zeit- und kostenintensiv und ohne professionellen Rechtsbeistand kaum durchführbar ist. Der Widerruf lohnt sich auch nicht bei jeder Police, denn Verträge, die z.B. in den 90er Jahren abgeschlossen wurden, haben bereits einiges erwirtschaftet und den Vorteil einer steuerfreien Auszahlung. Dies geht bei einer Rückabwicklung verloren. Zudem fallen Versicherungsbestandteile wie der Todesfallschutz oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung beim Widerruf weg.



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