Die Lebensversicherung in Zahlen

Die Lebensversicherer zählen zu den größten Kapitalanlegern Deutschlands. Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) verwalteten sie im Jahr 2017 einen Bestand von 84,1 Mio. Verträgen, für die sie 86,5 Mrd. Euro neue Beiträge vereinnahmt haben. Die gesamten Kapitalanlagen für diese Verträge beliefen sich auf 905,5 Mrd. Euro, davon wurden 172,6 Mrd. Euro im Jahr 2017 neu angelegt bzw. mussten reinvestiert werden.

Gewaltige Zahlen – doch was bedeuten sie für die Versicherungskunden? Rund 85 Prozent der abgeschlossenen Verträge sind Kapitallebens- und Rentenversicherungen, die vor allem unter dem Aspekt der Altersvorsorge abgeschlossen wurden, die Kunden häufig aber auch um Risikozusatzversicherungen ergänzt haben.

Bei Abschluss des Vertrags wurde den Kunden in der Regel eine Musterrechnung mit der bei Vertragsende zu erwartenden Leistung vorgelegt, die sich aus einem garantierten Teil und darüber hinaus prognostizierten Überschüssen zusammensetzte. Basisannahme hierfür war häufig, dass die im Jahr des Vertragsabschlusses erwirtschafteten Überschüsse auch für die gesamte Vertragslaufzeit zugrunde gelegt wurden. Diese Prognosen mussten die Versicherer in den letzten Jahren erheblich nach unten korrigieren. Grund hierfür ist insbesondere die nun schon lang anhaltende Niedrigzinsphase in der Folge der im Jahr 2008 ausgelösten Finanzmarktkrise. Denn wenn auch die Versicherer in den letzten Jahren die Quote nicht festverzinslicher Wertpapiere erhöht haben, machen verzinste Investitionen nach wie vor den allergrößten Teil der Kapitalanlagen aus, und erwirtschaften entsprechend magere Erträge.

Die Senkung der prognostizierten Leistungen kann sich aber nur auf die über den garantierten Rechnungszins hinausgehenden Überschüsse beziehen, die zugesagten Garantien haben die Versicherer bis zum Ende des jeweiligen Versicherungsvertrags zu erfüllen – und sind erheblich.

Zeitraum Höchstrechnungszins („Garantiezins“)
1903 – 1922 3,5 %
1323 – 1941 4,0 %
01/1942 – 06/1986 3,0 %
07/1986 – 06/1994 3,5 %
07/1994 – 06/2000 4,0 %
07/2000 – 12/2003 3,25 %
01/2004 – 12/2006 2,75 %
01/2007 – 12/2011 2,25 %
01/2012 – 12/2014 1,75 %
01/2015 – 12/2016 1,25 %
01/2017 – 0,9 %

 

Welche Möglichkeiten haben die Versicherungsunternehmen?

Der GDV nennt für das Jahr 2017 eine Nettoverzinsung – errechnet als Bruttoerträge minus Aufwendungen für die Kapitalanlagen im Verhältnis zum mittleren Kapitalanlagebestand es Jahres – von 4,49 Prozent und merkt an, dass dieser angesichts der niedrigen Kapitalmarktzinsen sehr hohe Wert auch durch die verstärkte Auflösung von Bewertungsreserven zustande gekommen sei. Die Versicherer haben also gutverzinste festverzinsliche Wertpapiere zu einem Betrag über ihren Anschaffungskosten veräußert und damit einmalige außerordentliche Erträge erwirtschaftet.

Mit einem Teil dieser außerordentlichen Erträge treffen die Versicherer Vorsorge für eine weiter anhaltende Niedrigzinsphase (mittels der sogenannten Zinszusatzreserve), darüber hinaus müssen sie unter bestimmten Bedingungen ausscheidende Kunden auch an solchen Bewertungsreserven beteiligen. Der Großteil des Kapitalanlageergebnisses geht aber in die laufende Verzinsung der Lebensversicherungsverträge. Daneben sind Überschüsse aus dem Risikoergebnis und bei den Verwaltungskosten ebenfalls zu einem Teil an die Versicherungskunden weiterzugeben.

Im Ergebnis führt das dazu, dass aus dem an die Kunden verteilbaren Überschuss des Versicherungsunternehmens zunächst die Garantieverzinsung der Lebensversicherungsverträge bedient wird. Verträge mit höheren Garantiezinsen ab etwa 2,75 Prozent erhalten bei den meisten Versicherungsunternehmen kaum noch eine darüber hinausgehende laufende Überschussbeteiligung, im derzeitigen Marktumfeld wohl aber noch Schlussgewinne. Abhängig von der Ertragslage des einzelnen Versicherers werden niedrigeren Garantiezinsgenerationen auch noch außerrechnungsmäßige Zinsen zugeteilt.

Was dürfen Versicherungskunden zukünftig erwarten?

Mit dem Aufbau einer erheblichen bilanziellen Vorsorge durch die Zinszusatzreserve haben sich die Versicherer auch für eine weiter anhaltende Niedrigzinsphase gewappnet. Darüber hinaus erhöhen sie stetig den Anteil ihrer Investitionen in alternative Kapitalanlagen, was bei den hohen zu tätigenden Neuinvestitionen naturgemäß aber nur langsam zu einer deutlich verbesserten Portfoliodiversifikation führt. Die Erfüllung der Garantiezusagen sollte damit weiterhin gewährleistet sein, zumindest bei schwächeren Versicherern ist aber mit der weiteren Kürzung von nichtgarantierten Gewinnanteilen zu rechnen. Von Versicherer zu Versicherer werden Kunden bei Vertragskündigung oder –ablauf in sehr unterschiedlicher Höhe auch an Bewertungsreserven beteiligt. Sollten die Kapitalmarktzinsen, z.B. in Folge einer Erhöhung der Leitzinsen durch die EZB anziehen, werden diese Bewertungsreserven sinken und die Kunden zwischenzeitlich Leistungskürzungen erfahren.

Die bessere vorzeitige Lösung: Lebensversicherung verkaufen statt kündigen

Bei all den irritierenden Meldungen um sinkende Renditen von Lebensversicherungsverträgen und den Run-Off ganzer Versicherungsbestände ist es allzu verständlich, wenn sich der ein oder andere mit dem Gedanken trägt, aus diesem Produkt vorzeitig auszusteigen. Es ist sicher sinnvoll, die Police nochmals genau anzuschauen und das Für und Wider abzuwägen, ob die Alternative des Verkaufs evtl. der bessere Weg ist.

Hier teilen:
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •