Was wird aus meiner Lebensversicherung?

Das gemeinsame Leben wird geplant, das Eigenheim finanziert, die Familie vergrößert und für das Alter wird ebenfalls vorgesorgt. Alles deutet auf ein langes gemeinsames Leben hin. Dennoch kann es vorkommen, dass sich die Lebenswege ändern, die Beziehung keine Zukunft mehr hat und nur noch eine Scheidung als einzige Lösung in Betracht gezogen wird. Nun gilt es die gemeinsam erworbenen Güter aufzuteilen und ggf. den Partner auszuzahlen, beispielsweise, um die Immobilie behalten zu können.

Jede dritte Ehe schafft es nicht

In Deutschland sind im Jahr 2017 407.000 Ehen geschlossen worden, 3.000 weniger als im Jahr 2016. Doch neben den Eheschließungen gibt es immer auch die Scheidungen. Im letzten Jahr waren es 153.500, im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang von 9.000. Die Ehen dauern im Schnitt 15 Jahre und die sich scheidenden Partner werden immer älter. Männer sind durchschnittlich 46,8 Jahre und Frauen 43,8 Jahre alt.

https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/EhenLebenspartnerschaften/EhenLebenspartnerschaften.html#Tabellen

Aufteilung der Vermögenswerte

Eine Scheidung ist nicht nur mit emotionalen Verlusten, sondern auch mit finanziellen Konsequenzen verbunden. Im Laufe der Ehe wurden gemeinsame Werte angeschafft und das Vermögen vergrößert.

Falls nicht anders vereinbart, zum Beispiel im Rahmen eines Ehevertrags oder einer Gütertrennung, sind in Deutschland geschlossene Ehen Zugewinngemeinschaften. Das bedeutet, dass beide Partner gleichermaßen an dem während der Ehe hinzugekommenen Vermögen partizipieren. Das zu Beginn der Ehe eingebrachte Vermögen gehört formal jedoch weiterhin dem jeweiligen Ehegatten. Im Falle einer Scheidung werden für den Zugewinnausgleich diese Beträge ermittelt und auf beide Partner aufgeteilt, wobei sich der Zugewinn aus der Differenz zwischen Anfangs- und Endvermögen während der Ehe ergibt. Dasselbe gilt ebenfalls für die Schulden der Partner.

Nachfolgend ein vereinfachtes Beispiel zum besseren Verständnis:

 

 Zugewinnausgleich 
Partner A Partner B
Start    10.000,00 €  Vermögen      6.000,00 €
Ende    30.000,00 €    10.000,00 €
Differenz    20.000,00 €      4.000,00 €
   16.000,00 €
     8.000,00 €  jeder die Hälfte      8.000,00 €

Daneben gibt es den Versorgungsausgleich, durch den ein Ungleichgewicht beim Erwerb von Rentenansprüchen ausgeglichen werden soll, das z.B. dadurch entsteht, dass ein Ehepartner aufgrund der Betreuung der gemeinsamen Kinder eine Zeit lang nicht berufstätig ist und für diese Zeit nur geringe Rentenanwartschaften erhält.  Bezieht der eine Partner bereits die Rente, so wird diese ebenfalls zum Versorgungsausgleich hinzugezogen.

Beim Versorgungsausgleich werden die Rentenansprüche zu Beginn und zum Ende der Ehe der Partner ermittelt. Die Differenz des jeweiligen Partners steht zu 50% dem anderen zu. Dies gilt ebenfalls für zusätzlich abgeschlossene Versicherungen wie z.B. ein Riester-Vertrag. Im nachfolgenden Beispiel erhält Partner A 365,00 € von Partner B und Partner B erhält 290,00 € von Partner A.

 

 Versorgungsausgleich 
Partner A Partner B
Start            200,00 €  Rentenanspruch        250,00 €
Ende            700,00 €        800,00 €
Differenz            500,00 €        550,00 €
           250,00 €  zu B zu A        275,00 €
Zusatzversorgung              80,00 €        180,00 €
             40,00 €  zu B zu A           90,00 €
           365,00 €  A von B  B von A        290,00 €

Was passiert mit meiner Lebensversicherung?

Zunächst einmal muss die Lebensversicherung einem der beiden Ausgleichsverfahren zugeordnet werden:

Kapitallebensversicherungen, die eine einmalige Zahlung vorsehen, werden dem Zugewinnausgleich zugeschrieben. Hierunter fallen auch Verträge mit Rentenwahlrecht, sofern dieses nicht vor Rechtsanhängigkeit des Scheidungsantrags ausgeübt wurde.

Private Rentenversicherungen  fallen unter den Versorgungsausgleich, da bei Vertragsende eine lebenslange Rente vereinbart ist. Das gilt analog auch für Verträge mit einem Kapitalwahlrecht, solange hiervon noch nicht Gebrauch gemacht wurde.

Kapitallebensversicherungen

Kapitallebensversicherungen fallen wegen der zum Vertragsende vereinbarten einmaligen Auszahlung unter den Zugewinnausgleich.

Hierbei wird der während der Ehe angesparte Rückkaufswert ermittelt und dem Zugewinn hinzugerechnet. Hatte der eine Ehepartner die Lebensversicherung bereits vor der Ehe, so wird entsprechend allein der Anteil im Zugewinnausgleich berücksichtigt, welcher in der Ehe entstanden ist. Falls beide Partner eine eigene Lebensversicherung haben, werden diese gegeneinander aufgerechnet. Im Zuge der Aufteilung sollten beide Partner darauf achten, dass ein eventuell zugunsten des anderen eingeräumtes unwiderrufliches Bezugsrecht aufgehoben wird.

Wurde im Rahmen eines Ehevertrags eine Gütertrennung vereinbart, bleibt die Lebensversicherung im Vermögen des Versicherungsnehmers und fällt nicht unter den Zugewinnausgleich.

Risikolebensversicherungen fallen nicht unter den Zugewinnausgleich, da sie nur in einem Notfall greifen.

Private Rentenversicherungen

Zum Zwecke des Versorgungsausgleichs werden zunächst die Rentenansprüche eines jeden Ehegatten ermittelt. Darunter fallen alle Anwartschaften, die während der gemeinsamen Ehezeit erworben wurden: Gesetzliche, betriebliche und private Rentenanrechte, sowie andere berufsständische Systeme (Anwälte, Ärzte, Künstler, etc.). Ziel ist es, die während der Ehe erworbenen Ansprüche auf Rentenzahlung gleichmäßig unter den Ehepartnern aufzuteilen und beiden trotz Kinderbetreuungszeiten oder individuell unterschiedlichem Arbeitseinkommen dieselbe Altersversorgung zu verschaffen. Hierbei werden die einzelnen Säulen der Altersvorsorge separat  betrachtet und ausgeglichen, was dazu führen kann, dass der eine Partner Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung abgeben muss, aber vom anderen Ansprüche aus einer privaten Rentenversicherung zurückerhält.

Ein Versorgungsausgleich findet nicht statt, wenn die Ehe nur von kurzer Dauer war (weniger als drei Jahre), die Ausgleichswerte zu gering oder durch einen Ehevertrag anderweitig geregelt sind. Ein Versorgungsausgleich findet auch bei vereinbarter Gütertrennung statt.

Wie funktionieren  Versorgungs- und Zugewinnausgleich einer Lebensversicherung in der Praxis?

Im Zugewinnausgleich ist das während der Ehe erworbene Vermögen aufzuteilen. Dieses besteht aber ja nicht nur aus Barvermögen, sondern ist in aller Regel gebunden, z.B. in der selbstgenutzten Immobilie oder in einer Kapitallebensversicherung. Gelingt keine Einigung über die Aufteilung dieser illiquiden Vermögenswerte, ggf. unter Berücksichtigung einer Ausgleichszahlung, kommt es in Bezug auf die Kapitallebensversicherung häufig zu einer Kündigung des Vertrags. Hierdurch kommt der Rückkaufswert zur Auszahlung und erhöht entsprechend das Barvermögen. Allerdings fallen bei vorzeitiger Kündigung der Lebensversicherung häufig Stornogebühren an, die den Wert der Lebensversicherung mindern.

Zu prüfen ist auch die Auswirkung auf eventuelle Zusatzversicherungen, insbesondere eine Berufsunfähigkeitszusatzversicherung, die unter Umständen nicht mehr oder nur zu höheren Kosten neu abgeschlossen werden kann.

In Bezug auf eine Rentenversicherung mit Kapitalwahlrecht bestehen zwei Möglichkeiten: Wird vor Rechtsanhängigkeit der Scheidung das Kapitalwahlrecht ausgeübt, fällt die Police unter den Zugewinnausgleich, mit den zuvor beschriebenen Folgen.

Ist (noch) die Rentenzahlung vereinbart, unterfällt der Vertrag dem Versorgungsausgleich. Dann hat das Versicherungsunternehmen entsprechend dem Ausgleichsanspruch den Vertrag in zwei einzelne Verträge aufzuteilen, die die Ehepartner separat weiterführen. Die Kosten der Vertragsaufteilung sind hierbei zu berücksichtigen.

Die sinnvollste Alternative: Lebensversicherung verkaufen

Wer seinen Partner die Hälfte des Rückkaufswertes auszahlen muss, sollte nicht zwangsläufig seine Police vorzeitig beenden, wenn er das Geld anderweitig aufbringen kann. Gibt es aber keinen anderen Weg, als diesen Vertrag zu liquidieren, gibt es eine bessere Alternative als die Kündigung: Der Verkauf der Police. Hierbei erzielt der Versicherte immer mehr als den Rückkaufswert, in der Regel liegt der Kaufpreisaufschlag bei zwei bis vier Prozent. Außerdem behält er einen verminderten Todesfallschutz: Der Erwerber führt den Lebensversicherungsvertrag weiter und zahlt im Falle des Ablebens der versicherten Person während der Restvertragslaufzeit den Erben einen Betrag, der sich aus der Todesfallleistung abzüglich Kaufpreis, den weiterbezahlten Prämien und einer Verzinsung ergibt.

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